Glossar
Der Begriff Telechirurgie umfasst eine Reihe von Begrifflichkeiten, Verfahren und Techniken wie
• Computerassistierte Chirurgie (Telementoring), Computerunterstützte Chirurgie (Computer Aided Surgery – CAS)
• Medizinrobotik
• OP-Roboter
• Minimal invasive Chirigie (MIC)
• Simulation von Operationen1
Im Allgemeinen wird Telechirurgie als „ferngesteuerte Operation, bei welcher der Chirurg vom Patienten getrennt ist und durch vom Arzt gesteuerte und kontrollierte Robotersysteme (Telemanipulatoren) erfolgt“ definiert.2
Sie beinhaltet sowohl eine Operation, die mittels Telekommunikationstechniken und Robotersystemen über z.T. größere Entfernungen hinweg geführt wird, als auch die Unterstützung durch Telekonsil, Telemedizin usw.1
In der Telechirurgie unterscheidet man neben den schon genannten Verfahren zwischen „long distance“ und „short distance“-Operationen.
Bei der Variante der „short-distance“-Operation verbleibt der Operateur in der Nähe des Patienten (z.B. im selben Raum oder Nachbarraum des OP). Bei dem Verfahren der „long-distance“-Telechirurgie befindet sich der operierende Arzt weit weg, im Extremfall auf einem anderen Kontinent.1
Gibt es aber Komplikationen, muss ein Arzt vor Ort in der Lage sein sofort einzugreifen.2
Als ein Paradebeispiel für die „long-distance“-Anwendung wird eine im Jahre 2001 durchgeführte Gallenblasenentfernung gesehen. Hier wurde eine Patientin in Straßburg von Roboterarmen operiert, die von einem Chirurgen in New York bedient wurden. Da eine Gallenblasenentfernung in jedem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung durchgeführt werden kann, handelte es sich laut Jähn und Nagel3 hierbei lediglich um eine eindrucksvolle Machbarkeitsstudie. Weitere Beispiele sind Entwicklungen der NASA sowie der US-Army. Eingriffe werden vor Ort, also im Weltraum oder Krisengebiet durch einen Sanitäter assistiert und von einem weit entfernt agierenden Operateur mit telechirurgischen Techniken ausgeführt.3
Die Dermatologie beschäftigt sich mit der Haut des Menschen und dabei vorrangig auch mit krankhaften Veränderungen der Haut, wie zum Beispiel Melanomen. Es existieren zwei Ansätze für teledermatologische Systeme:
Die zentrale Datenbank und die Echtzeit-Konsultation. Im ersten Ansatz werden Aufnahmen in einer zentralen Datenbank hinterlegt, die dann auch anderen Experten zur Verfügung stehen oder später als Referenz zum Vergleich mit, zum Beispiel dem heutigen Aussehen eines Muttermals, verglichen werden können.
Beim zweiten Ansatz wird wie bei der Telekonsultation ein Dermatologe als Spezialist beigezogen, der einen Allgemeinmediziner über die Distanz hinweg mit seinem Fachwissen unterstützen kann. Dies kann ein relativ erfolgversprechender Ansatz sein, da die Angst maligne Melanome und damit Hautkrebs zu übersehen recht stark verbreitet ist.
Die „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus hat sich in Europa in den letzten Jahrzehnten zu einem gesundheitspolitischen Problem entwickelt. Laut der internationalen Diabetes Föderation litten im Jahr 2004 ca. 60 Millionen Europäer an der Wohlstandskrankheit, wobei davon ausgegangen wurde, dass 50% der Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung wussten.
In Deutschland sind aktuell über 7 Millionen Menschen in Behandlung, weitere ca. 3,5 Millionen haben keine Kenntnis von ihrer Krankheit und täglich kommen etwa 1.000 Betroffene hinzu. Dabei ist bedauerlicherweise zu beobachten, dass sich die Neuerkrankungen nicht nur auf die Risikogruppen „ältere Menschen“ und „Schwangere“ beschränken, sondern zunehmend auch jüngere Menschen und Jugendliche an der Stoffwechselkrankheit erkranken. Inklusive Dunkelziffer dürften heute über 10% aller Deutschen von Diabetes betroffen sein. Die Kosten für Diabetes mellitus, einschließlich den dramatischen Folgeerkrankungen belasten das deutsche Gesundheitswesen mit jährlich (2004) ca. 34 Mrd. Euro mit steigender Tendenz.4
Definition der Anwendung
Telediabetologie basiert auf den Systemen des Telemonitorings (s.o.). Ein telediabetologisches System erfasst regelmäßig gesundheitsbezogene Parameter (z.B. Blutzucker, Gewicht, Körperfett, Aktivität, Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG), die optimalerweise zu jeder Zeit und an jedem Ort erhoben werden können. Die gewonnen Parameter generieren die Datenbasis für individuelle Therapieempfehlungen sowie deren Anwendungs- und Erfolgsüberwachung.4DHTML is the combining of HTML, CSS, and JavaScript.
Telecardiology is the practice of cardiology which utilises telecommunications. Telecardiology aims to provide chronically ill patients with access to healthcare providers and to maintain their quality of life while reducing the healthcare costs.”5
"Konsil" bedeutet im medizinischen Sprachgebrauch die Beratung zwischen zwei oder mehreren Ärzten der gleichen oder verschiedenen Fachgebiete über die Diagnose und/oder die Behandlung eines konkreten Krankheitsfalles.
Der Konsiliarius ist in das Behandlungsgeschehen einbezogen; er trägt insoweit ärztliche und rechtliche Verantwortung. Sein Rat läßt jedoch die Entscheidungskompetenz und die rechtliche Verantwortung des behandelnden Arztes unberührt; er ist an den Rat des Konsiliarius nicht gebunden.
Das Telekonsil unterscheidet sich vom traditionellen Konsil durch die Nutzung moderner audiovisueller Kommunikationsmittel.
Vorteile des Telekonsils
Das Telekonsil erspart den Zeitaufwand des Konsiliarius für den Weg zum Patienten bzw. Belastungen und Kosten eines Transportes des Patienten zum Konsiliarius. Die Versendung der Krankenunterlagen und damit verbundene Zeitverluste entfallen. In dringenden Fällen kann das Telekonsil ohne jeden Zeitverzug durchgeführt werden.8
Bei der Telekooperation geht es in erster Linie um die Durchführung von Telekonsilen. Im Rahmen der Einholung von Zweitmeinungen und Expertenkonsultationen wird medizinisches Bild- und Videomaterial übertragen.
Unter Telemonitoring versteht man die Überwachung von Patienten bzw. von Vitalfunktionen durch den Arzt oder das Pflegepersonal über eine räumliche Distanz hinweg. Bei der Patientenversorgung lassen sich zwei Bereiche differenzieren.
Zum einen gibt es die Überwachung physiologischer Parameter. Dabei erfassen körpernahe Sensoren kontinuierlich indikationsrelevante Vitalparameter wie z.B. Blutdruck, Puls und EKG. Die Daten werden zunächst an eine Basisstation übermittelt und von dort aus an ein telemedizinisches Servicezentrum weitergeleitet. Hier werden die Daten erfasst und ausgewertet. Der Arzt greift über das Internet und einen geschützten, persönlichen Zugang auf die Daten zu.
Zum anderen gibt es die umfassende Kommunikation zwischen Leistungserbringer und Patient. Dies geschieht als Teil einer interaktiven Betreuung im Sinne eines Disease- bzw. Case-Managements.
Damit ist Telemonitoring eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen medizinischen Behandlung, die die Möglichkeit bietet schnell und einfach zu diagnostizieren und zu reagieren.
Telemedizinische Anwendungen entwickeln sich in der Neurologie in Form der Teleneurologie. Teleneurologie darf nicht mit Teleradiologie verwechselt werden. Während bei letzterem Verfahren z. B. CT-Bilder über eine Datenleitung einem räumlich entfernten Krankenhaus bzw. Teleradiologen übermittelt werden, beinhaltet die Teleneurologie neben der Betrachtung von CT-Bildern die körperliche Untersuchung des Patienten am Bildschirm durch einen Teleneurologen. Dazu wird eine speziell für die Medizintechnik zugelassene Videokonferenztechnologie mit entsprechenden Bandbreiten der verwendeten Datenleitung eingesetzt, die sowohl im regionalen Krankenhaus als auch in einem neurologischen Zentrum wie einem Schlaganfall-Zentrum (Stroke Unit) installiert sein müssen. Ein Teleneurologe kann somit einen internistischen Kollegen vor Ort bei der Untersuchung beobachten, begleiten und anleiten sowie den Patienten selbst und seine Angehörigen befragen.1
Bei der Bekämpfung maligner Tumoren ist es hilfreich, wenn viele Spezialisten sich die oft langdauernde Behandlung mit unterschiedlichen Modalitäten teilen. Neben der operativen Therapie ist oft eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder als Kombination eine Radio-Chemotherapie notwendig. Idealerweise setzen sich die an einer derartigen Therapie-Sequenz Beteiligten zur genauen Besprechung der Details zusammen (sogenanntes Onkologisches Kolloquium). Darin werden nicht nur Termine aufeinander abgestimmt, sondern auch einen Verlaufskontrolle möglich, bei der alle Behandelnden gleichermaßen informiert werden können. Eventuell notwendige Therapieunterbrechungen, die von der ursprünglichen Planung abweichen, können schnell und einfach übermittelt werden.3
Die Teleophthalmologie bedient sich diverser Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung und Verbesserung der Behandlung in der Augenheilkunde. Ein Anwendungsbereich ist z.B. die Übermittlung digitaler Aufnahmen des Augenhintergrundes an ophthalmologische Spezialisten zur weiteren Befundung.
Telepathologiesysteme sind computergestützte Systeme für die Ferndiagnostik in der Pathologie. Sie gehören in die Kategorie der Befundungsdienste mit Fernsteuerung. In der pathologischen Diagnostik wird zumeist in einem ersten Schritt eine grobgewebliche Beurteilung des zu untersuchenden Präparats vorgenommen (Makroskopie). Hierbei werden durch die visuelle Untersuchung und das Betasten des Gewebes (Palpation) verdächtige Areale lokalisiert, die in der nachfolgenden histologischen Untersuchung näher analysiert werden. Nach der Festlegung der Schnittführung werden einzelne Gewebeschnitte erzeugt, eingefärbt und auf den Objektträger aufgebracht. Anschließend werden die so erhaltenen Präparate mit Hilfe eines Mikroskops weiter untersucht (Mikroskopie). Während der mikroskopischen Untersuchung kann das Mikroskop auf verschiedene Tiefen im Präparat fokussiert und das Präparat mit variierenden Auflösungen in der Fläche betrachtet werden. Dadurch wird eine systematische Untersuchung des Präparats in allen drei Dimensionen möglich.7
Telepsychiatrie bezeichnet die medizinische Beratung im Fachbereich Psychiatrie und Psychosomatik über Distanzen hinweg mittels telematischer Applikationen. Sie ist eine Mischform aus Telekonsultation (akuter Charakter) und Telemonitoring (chronischer Charakter).
Mitte der 90er Jahre waren einzelne medizinische Einrichtungen, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht über eine eigene Radiologie verfügten, soweit mit EDV-Systemen ausgestattet, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen radiologische Bilddaten zur Befundung über eine informationstechnologische Verbindung an eine räumlich entfernte radiologische Fachabteilung senden konnten. Mit einer heute schon hohen Durchdringung im klinischen Alltag nimmt die Teleradiologie somit eine Vorreiterrolle im Bereich der telemedizinischen Anwendungen ein.1
Definition der Anwendung
Im Jahr 2002 wurde der Begriff „Teleradiologie“ erstmals in der Röntgenverordnung (RöV) definiert und seine Einsatzgebiete sowie –anforderungen festgelegt. Demnach ist die Teleradiologie eine Untersuchung eines Menschen mit Röntgenstrahlung unter Verantwortung eines im Strahlenschutz umfassend fachkundigen Arztes, der sich nicht am Ort der technischen Durchführung befindet. Er steht allerdings mithilfe elektronischer Datenübertragung und Telekommunikation unmittelbar mit den Personen am Ort der technischen Durchführung (z.B. MRTA, behandelnder Arzt) in Verbindung, um insbesondere die rechtfertigende Indikation und die Befundung zu gewährleisten. Außerdem sieht die RöV weitere Voraussetzungen zum Betrieb einer Röntgeneinrichtung vor, die sich auf die Einsatzgebiete und –zeiten, sowie die persönliche Erreichbarkeit des Radiologen beziehen und die das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt stellen.6
In der Schlafforschung wird das Verhalten und sämtliche körperlichen Prozesse und Bewusstseinsvorgänge während des Schlafs, sowie die Wechselwirkung zwischen Schlafen und Wachen und dem Schlaf und der Umwelt untersucht. Der Begriff Telesomnologie bezeichnet die Lehre vom Schlaf, wozu neben der Schlafforschung auch die Schlafmedizin gehört unter Zuhilfenahme von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien wie z.B. beim Schlafmonitoring.
Literatur
1 Gärtner, A. (2006). Medizintechnik und Informationstechnologie - Band 3, Telemedizin und computergestützte Medizin. Köln: TÜV Media GmbH.
2 Schönenberger, U., Besetti, G., & Koch, P. (2002). Telemedizinische Verfahren: Auf dem Weg zum Standard. Bern: Bundesamt für Sozialversicherung, Schweiz.
3 Jähn, K., & Nagel, E. (2004). e-Health. Berlin-Heidelberg: Springer Verlag GmbH.
4 VDE Initiative Mikromedizin. (März 2008). VDE-Positionspapier TeleMonitoring zur Prävention von Diabetes-Erkrankungen. Von www.vde.com abgerufen.
5 Beolchi, L. (2003). Telemedicine Glossary 5th Edition. Brussels: European Commission, Information Society Directorate-General.
6 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit – AG RS II 1. (30. 04. 2003). Abgerufen am 21. 07. 2008 von http://80.237.211.47/fileadmin/user_upload/Fachverbaende/Elektromedizinische_Technik/Brancheninformationen/Gesetze_Normen/Hintergrundpapier_BMU_Teleradiologie.pdf.
7 Lehmann, T. M. (2005). Handbuch der Medizinischen Informatik. München Wien: Carl Hanser Verlag.
8 W.Weißauer, H. Feussner, Zeitschrift - Der Chirurg (Juni 1998), Telekonsultation in der Chirurgie – Rahmenbedingungen und künftige Bedeutung. Berlin-Heidelberg: Springer Verlag GmbH.



